nachhaltiges Grafikdesign

Wie nachhaltig können Verpackungen sein?

Der GuideWhy Shrink-wrap a Cucumber?“ von Laurel Miller und Stephen Aldridge hat mich drauf gebracht, einmal näher über nachhaltige Verpackungen bzw. Verpackungsdesign nachzudenken. Fragen wie: „Warum es ökologisch Sinn macht, Gurken in Plastik einzuschweißen?“ gaben den Anstoß.

Ich gestehe, auch ich rege mich immer mal wieder über diese eingeschweißten Dinger auf. Vor allem, weil in unserem Supermarkt ausgerechnet die Bio-Gurken eingeschweißt sind! Muss es denn noch mehr Plastik sein? Versinken die Meere nicht ohnehin schon im Plastikmüll? Kann man nicht einfach eine Recyclingpapier-Banderole um die (Bio-)Gurke machen?

Nachhaltig, VerpackungDas Buch ließ mich in eine andere Richtung denken. Denn auf den ersten Blick scheint einem die Plastikfolie wirklich nur überflüssig und unsinnig, Verschwendung von Ressourcen usw. Doch halt: Eingeschweißte Gurken verlieren weniger Gewicht/Feuchtigkeit als nicht eingeschweißte und bleiben damit länger frisch, sprich: haltbar. Schön denke ich mir, die Folie verhindert also ein allzu schnelles Verderben. Andererseits, was habe ich davon, wenn eine Gurke, die eingeschweißt ist womöglich eine Woche länger frisch bleibt, aber die Vitamine immer weniger werden? Frisch aber ohne „Inhalt“. Hm … ???!!!

Einen weiteren positiven Aspekt des Einschweißens hatte ich auch noch nicht bedacht: Durch die längere Frische wird verhindert, das noch mehr Gurken (und andere eingeschweißte Frischeprodukte) weggeworfen werden.

Mein Tipp zur Lebensmittelverschwendung: Die Doku „Taste the waste“.

So müssen weniger Gurken angebaut werden, was wiederum weniger Wasserverbrauch, Dünger und Kraftstoff für den Transport bedeutet. Weniger Methan wird freigesetzt, wenn sie auf den Müllkippen verrotten, denn nicht alle Lebensmittel, die im Müll landen, werden in Biogasanlagen zu Energie oder werden kompostiert.

Also gar nicht so einfach mit den nachhaltigen Verpackungen, was nicht nur auf das Beispiel „Einschweißen“ zutrifft. Es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen. Aber was ist nun die nachhaltigste, ökologischste Variante in Sachen Verpackung? Was muss alles berücksichtigt werden? Die Auswirkungen auf die globale Klimaveränderung, Müllreduzierung, Weiterverwertung, Recycling, Upcycling, Material(-eigenschaften) nach dem Gebrauch usw. Puh …

Und was ist mit den Aspekten in Sachen Design? Verpackungen sollen bestenfalls Marken stärken, (Werbe-)Botschaften transportieren, Funktional und Verbraucherfreundlich sein. Um bei dem Gurken-Beispiel zu bleiben, wäre es eine Lösung die Gurken so zu verpacken, dass die Verpackung mehrfach verwendet werden kann, Stichwort: Mehrweg? Oder die Verpackung so „intelligent“ ist, dass sie für andere Dinge weiterverwendet werden kann, im Sinne von Upcycling? Oder gar etwas völlig neues entsteht? Und wie kann man die Verbraucher motivieren, auf solche Dinge zu achten und entsprechend zu handeln. Nicht, dass dann doch wieder alles im Müll landet? Fragen, über Fragen …

Und: Sollte der Designer Aufträge von Kunden annehmen, die bekanntermaßen Materialien verschwenden, nicht auf ökologische Aspekte achten? Oder wäre es nicht besser, dem Kunden Alternativen zu zeigen? Diesen und weiteren Fragen geht der Guide nach.

Mein Fazit: “Why Shrink-wrap a Cucumber?“ empfehlenswert für alle, die mit Produkt-/Verpackungsdesign zu tun haben.

Druck & Papier

Umweltfreundliche Verpackungen für Obst und Gemüse

Vor kurzem kaufte ich mal wieder etwas Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt und freute mich wie ein Schneekönig über die nostalgisch anmutende Obsttüte aus braunem Kraftpapier (bzw. Natronmischpapier).

(c) Foto Heidrun Lutz

Endlich mal kein Plastik! Ich kann mich noch gut erinnern in unserem Tante-Emma-Laden wurde das Obst immer in diesen Tüten verpackt. Herrlich. Da werden Kindheits-Erinnerungen wach … 😉

Leider sind besonders in den Supermärkten Plastiktüten für Obst und Gemüse allgegenwärtig und „normal“. Ich frage mich: Warum nur lassen wir uns mit Plastik – im wahrsten Sinne des Wortes – so einwickeln?

Also habe ich mich in meinem Netzwerk umgehört und ein bisschen recherchiert. Es gibt wohl noch etliche Marktbetreiber, die die braunen Tüten verwenden, um Obst und Gemüse einzupacken. Auch in Bioläden gibt es sie offenbar noch hier und da.

Das wirft jedoch neue Fragen auf: Warum wird nicht grundsätzlich in Papiertüten verpackt? Warum werden nicht auch im Supermarkt Papiertüten zum Verpacken für Obst und Gemüse angeboten?

Ich denke es ist vor allem mal wieder das Preis-Argument. Denn wie meine Recherchen ergeben haben, sind Papiertüten teurer. Halten bei gleicher Größe etwas weniger Gewicht aus, sind praktischer, weil auf Rollen zum Abreißen.

Eine Kraftpapiertüte mit Recyclingmaterial-Anteil in einer mittleren Größe (bis ca. 1,5 kg Gewicht) kostet etwa drei Mal so viel  (im niedrigen einstelligen Cent-Bereich, je nach Abnahmemenge) wie eine Plastiktüte, die sogar noch etwas größer ist und mehr Gewicht aushält.

Schade, dass – mal wieder – offenbar vor allem der Kostenfaktor zählt. Ich wäre gerne bereit die paar Cent (mehr) pro Tüte zu zahlen und so Plastikmüll zu vermeiden, Ressourcen zu schonen. Offenbar geht es aber nicht nur mir so. Wie eine Studie zeigt, hat die Hälfte der Befragten angegeben, für ein Produkt, das in einer vollständig recyclebaren Verpackung angeboten wird, auch mehr Geld ausgeben zu wollen!

Studienergebnis: Konsumenten wollen mehr Geld für recyclebare Verpackungen ausgeben

Ich persönlich vermeide wo immer möglich Plastiktüten und lasse mein Obst und Gemüse lose zum abwiegen. Jedoch geht das nicht immer – zumindest im Supermarkt. Was mich besonders ärgert, dass auch in Bioläden leider oft in Plastiktüten verpackt wird bzw. gerade Biofrüchte im Supermarkt oft besonders aufwändig mit Plastik (vor-)verpackt sind. Muss das sein? Reicht nicht das Siegel „Bio“ als Aufkleber auf dem Produkt? Wäre es den Aufwand nicht wert, auch hier etwas zu ändern? Umzudenken? Und, schöner sind Papiertüten auch! Oder nicht?

Zum Schluss noch zwei Links: Materialkunde zu Natronmischpapier und ein Anbieter für Natronpapiertüten.

Marketing & Vermarktung, Nachhaltige Werbung

Bioplastikverpackung nur Mogelpackung?

Vor einiger Zeit berichtete ich von der umweltfreundlicheren Verpackung von „Activia“-Joghurt.

Auf den ersten Blick schien mir diese Entwicklung positiv, wenn auch mit kritischen, noch offenen Punkten. Durch einen Beitrag im DUH Magazin erneut auf die Bio-
plastikverpackung von Danone aufmerksam geworden, greife ich heute noch einmal das Thema auf.

Danone bewirbt die Becher mit dem Zusatz „umweltfreundlich“. Der Becher wird aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und recycled. Was leider (noch) nicht stimmt.

Danone beruft sich in Sachen Umweltfreundlichkeit auf eine selbst finanzierte Studie beim Institut für Energie und Umweltforschung (ifeu). Jedoch kommt die Studie auf ein anderes Ergebnis, wie der DUH schreibt. Die Öko-Bilanz ist nicht besser, als die herkömmlicher Becher. Einige Vorteile hat der „Bio“-Becher nur bei der Klimabilanz und beim Verbrauch von fossilen Ressourcen, also nur teilweise Vorteile in Sachen Umweltfreundlichkeit.

Zu bedenken ist auch, dass z. B. durch die Herstellung des neuen Bechers Böden und Gewässer stärker belastet werden. Diese Nachteile werden verschwiegen.

So wie es aussieht, ist die Einführung der Bioplastikbecher (wie z.B. auch bei Palmölprodukten, aber das ist wieder ein anderes Thema), eine rein ökonomische Entscheidung des Unternehmens. Denn Biokunststoffe sind bis 2012 von der Verpackungslizenzierung beim Dualen System befreit. So entfallen Entsorgungs-
kosten in Millionenhöhe. Und, selbst wenn Bioplastik lizenziert werden muss, ist es noch immer deutlich günstiger als Verpackungen aus Rohöl.

Mit dem Zusatz „umweltfreundlich“ hat Danone sicher bereits zusätzliche umwelt-
bewusste Kunden gewonnen.

So gesehen, ein klarer Fall von Greenwashing. Ich bin gespannt wie es weiter geht. – Wohin die Reise in Sachen umweltfreundliche Verpackung geht, nicht nur bei Danone.